Alte Dorfstraße 48 – Katenstelle Rohwerder – Die Schmiede

Während Hinrich Timm als „Schmidt“ und Inste 1744 im Leibeigenenregister für Rethwischdorf registriert wurde, taucht sein Name 1760 im Leibeigenenregister für Meddewade auf. Ob er in Meddewade tätig war, ist fraglich, denn Meddewade unterlag wie andere Amtsdörfer bis ins 19. Jahrhundert hinein dem Schmiedezwang und musste seine Gerätschaften in der Schmiede in Rethwischdorf schmieden lassen.

1783 besaß Jochim Herbst eine Kleininstenstelle und 3 Tonnen Land auf dem Buerholz.
1810 vererbte er die Stelleseinem Sohn Jochim Hinrich Herbst für 250 Rtlr.1833 übergab Jochim Hinrich Herbst die Stelle seinem gleichnamigen Sohn.
1839 wurden die drei Tonnen Land auf dem Buerholz an den Tischler Andreas Staats ver- kauft.1839 kaufte ein Schmidt Hinich Götze, die Kate.1842 erwarb Johann Heinrich Sienknecht aus Belau die Kate. Er kaufte 1873 die Naefkenschen Pertinenzien (Zubehör, Bestandteile) dazu.1877 verkaufte er das Land an Johann Hinrich Göben, behielt aber Kate, Schmiede und „Wischhof“ (Wiesenhof). Sienknecht war ein anerkannter, guter Schmied, der für mehrere Langfeuerarbeiten Patente erhielt.

Dazu notierte der „Oldesloer Landbote“.


Herr Schmiedemeister Sienknecht aus Meddewade hat eine Schmiedeform mit ringförmiger und zentraler Düse konstruiert und ist demselben hierfür der patentamtliche Schutz unter Nr. 45082 vom 24. August 1895, von dem kaiserlichen Patentamt in Berlin erteilt worden. Die neue Gestaltung der bezeichneten Schmiedeform besteht darin, dass die Windzuleitung zum Schmiedefeuer je nach Erfordernis für kleines oder größeres Feuer durch Öffnen des kleinen mittleren Ventils oder des großen ringförmigen äußeren, oder beide zugleich reguliert werden kann.

Herr Sienknecht ist in weiten Kreisen als intelligenter Handwerker bekannt, hat in seinem Fach schon mehrere für das Gewerbe nützliche Sachen erfunden, wir erinnern an seine Pflüge mit verstellbarem Sicht. Möchte demselben für die neue Erfindung die Anerkennung von seinen Fachgenossen zuteil werden, dadurch, dass diese Schmiedeform überall eingeführt wird.

Als Sienknecht 1910 starb, kam es unter seinen Erben (er hinterließ drei gut verheiratete Töchter!) zu Erbstreitigkeiten in deren Verlauf die Schmiede verkauft wurde.

Ellen Raddatz geb. Rohwerder erzählt lebhaft von ihrem Großvater Richard und Vater Erich Rohwerder:

Richard Rohwerder, geb. 1883, war von Lauenburg nach Rondeshagen/Bliestorf gezogen und hatte dort 1909 geheiratet. Er erwarb die Schmiede in Meddewade etwa Anfang 1911. Da er die Schmiede alleine betrieb, musste seine Frau Alma geborene Loose aus Eckhorst öfter bei der Schmiedearbeit aushelfen!
Er war ein begeisterter Reiter und gründete in Meddewade einen Reiterverein, dem er bis zu seinem Tod angehörte. Das Reiten war sein Ein und Alles. Darüber konnte er auch das Abendbrot vergessen. Aber seine energische Frau erzog ihn zur Pünktlichkeit, in dem sie einfach die Speisekammer abschloss. Zu essen gab es dann nichts mehr!

Im Männergesangverein „Frohsinn“, später umbenannt in „Concordia“, war er ebenfalls Mitglied und als ausgezeichneter Turner zeigte er noch seinen Enkelkindern an der Reckstange sein Können. Von 1920 bis 1934 war Richard Rohwerder stellvertretender Feuerwehrhauptmann der Meddewader Feuerwehr. Ein Brand wurde zu der Zeit noch mit dem Feuerhorn gemeldet.
Er hatte die seltene Gabe andere Leute ohne große Strenge zu motivieren zu begeistern, ob bei den Reitern oder bei der Feuerwehr. Für diese Tätigkeiten erhielt er einen Verdienstorden in Silber mit der Inschrift „Für Verdienste um das Feuerlöschwesen“. Im Pferdesport bekam er eine Medaille in Silber mit der Aufschrift: „Provinzialverband Schleswig-Holstein, Reit und Fahr- vereine, für besondere Leistungen“.

1913/14 erweiterte Richard Rohwerder das Wohnhaus und das gesamte Haus bekam ein neues Dach. Aber das Dach war noch längst nicht fertig, als er zu Kriegsbeginn 1914 seinen Marschbefehl nach Frankreich erhielt. Was sollte nun werden? Das Dach wurde in großzügiger Nachbarschaftshilfe fertig gestellt, während Richard Rohwerder seiner Pflicht als Soldat nachkam.
Neben der Schmiede gehörten zu der Stelle 1,33 ha Land und Pachtland. Zwei bis vier Kühe, eine Starke, eine Sau und zwei Mastschweine halfen, den Lebens- unterhalt zu sichern. Natürlich durfte auch ein Pferd nicht fehlen. Dies hielt man alltags für die Feldarbeit, sonntags zum Reiten. Tierarzt Dr. Lindemann aus Bad Oldesloe hielt sich ein ähnliches Pferd. Das Rohwerdersche Pferd lieh er sich aus, um beide vor seine Kutsche zu spannen, zum Ausfahren und für tierärztliche Besuche.

Vater und Sohn Erich Rohwerder begleiteten seit 1946 die Turniere in Oldesloe, Zarpen und Pölitz als Turnierschmiede. Zeitlebens fuhr Richard Rohwerder mit dem Fahrrad, dem Moped oder mit einer Pferdekutsche. 1956 verunglückte er tödlich auf einer Fahrt mit dem Moped nach Lauenburg zu seiner Schwester.

Richard Rohwerders Sohn Erich, geboren 1913, erlernte nach seiner Schulzeit ebenfalls das Schmiedehandwerk in Rümpel bei Hannes Bloes. Seine Gesellen- zeit absolvierte er bei Willi Husen in Oststeinbek, mit dem er bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden blieb.

1934 kündigte sein Vater Richard ihn kurzerhand aus dieser Stellung und meldete ihn beim Militär an, wo er als Bereiter tätig wurde.

Etwa 1937/38 ging Erich Rohwerder zur Heeres-Lehrschmiede in Hannover und wurde Hufbeschlagmeister. In dieser Eigenschaft richtete er in der Vorkriegszeit mehrere Hufschmieden ein. Dann versetzte ihn die Heeresleitung nach Solbad Hall in Tirol. Dort fand er 1939 eine passende Wohnung und die Hochzeit mit seiner Verlobten Ingeborg Kiecksee aus Westerau wurde vorbereitet, der Hausrat, sorgsam verpackt, nach Hall geschickt. Die Hochzeit fand am 8.August 1939 statt (mit Erlaubnis der Heeresleitung!). Am 1. September brach der Krieg aus, Ingeborg Rohwerder blieb in Westerau. Der gesamte Hausrat kam in Hall in gute Hände der Vermieter, ehe diese ihn Anfang März 1940 wieder zu- rücksandten.

Trotz der widrigen Umstände kam bis auf zwei Teile alles unversehrt und vollständig wieder in Westerau an. Die Wohnung in Hall hatte Ingeborg Rohwerder nie gesehen!

Für Beschlagmeister Erich Rohwerder begann der Kriegseinsatz in Norwegen. Dann erfolgten Einsätze in Estland, Lettland, Polen und Russland, später war er auch in Belgien.
1941 wurde seine Tochter Ellen geboren. Sie wuchs bei Mutter und Großeltern bis 1946 in Westerau auf.

Nach der Kapitulation Deutschlands geriet Erich Rohwerder 1945 in amerikanische Gefangenschaft, wurde ausgetauscht und kam in russische Gefangenschaft.

Von dort gelang ihm 1946 die Flucht nach Hause.

1946 übernahm er die Schmiede von seinem Vater, 1947 wurde sein Sohn Horst- Erich geboren. Zunächst wohnte die Familie Rohwerder in der Kate von Bauer Schwartau und zog 1949 in das Haus neben der Schmiede. Aus dem Krieg brachte er den Schmiedegesellen Emil Ziewitz mit, der für ihn von 1947 - 1949 in der Schmiede arbeitete, während Erich Rohwerder in Lübeck die Meisterprüfung zum Huf- und Wagenschmied ablegte. Kurz vo der Währungsreform bezahlte er die Kosten für die Meisterschule noch ordnungsgemäß in Reichsmark. Aber kurz nach der Währungsreform schickte die Meisterschule das Geld zurück und forderte Erich Rohwerder auf, alles in DM zu zahlen!

Das war in damaliger Zeit kaum zu leisten, wenn nicht ein glücklicher Umstand dazugekommen wäre. Rohwerder hatte bei Bauer Karl August Barkmann aus Benstaben noch offene Rechnungen stehen, die dieser aufgrund einer guten Erbsenernte in DM begleichen konnte.

Die Schmiede Ende der 50er


Als wegen der Mechanisierung in der Landwirtschaft immer weniger Schmiedearbeiten verlangt wurden, verdiente Erich Rohwerder Geld mit dem Einbau von Badezimmern und dem Verkauf von Mopeds.

1968, mit 55 Jahren gab er die Schmiedearbeit ganz auf, obwohl er sich für größere Maschinen, wie z.B. Mähdrescher, noch 1964 eine Reparaturhalle mit Esse gebaut hatte. Bis zum Eintritt in den Ruhestand 1978 arbeitete er bei Schoer & Bollow in Bad Oldelsoe. 1997 starb er.

 
Die Schmiede mit angebauter Werkhalle, die die Zimmerei Jannsen gepachtet hat, 1992

 

Die Halle wurde an die Firma Paech-Brot als Blechschlosserei verpachtet. Ende der 80er Jahre brauchte die Nachfolgefirma Wendeln-Brot die Halle nicht mehr und sie wurde von der Zimmerei Jannsen in Pacht genommen. Erich Rohwerders Sohn Horst-Erich hat bei Schmiedemeister Krohn in Stubben ebenfalls das Schmiedehandwerk erlernt, aber mangels Arbeit in der Schmiede in anderen Betrieben gearbeitet.

2013 verstarb Horst-Erich Rohwerder, seine Schwester Ellen Raddatz verkaufte das Wohnhaus mit der Schmiede und der Werkhalle an Walter Stiem in Meddewade.

Das Wohnhaus wurde abgerissen und der Enkel von Walter Stiem baute dort ein Wohnhaus für seine Familie. Den anderen Grundstücksteil kaufte Günter Hillers (Zimmerei Jannsen) und konnte dadurch die Werkhalle weiterhin für die Zimmerei nutzen.

Literatur: Meddewade Chronik eines Dorfes im Kreis Stormarn von Doris und Eckhardt Moßner und Hans-Werner Hillers 2004.      

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